Ein Abend, an dem die Nerven das letzte Wort hatten

26. September 2026. Es gibt Spiele, die erzählen mehr über eine Mannschaft als drei gewonnene Sätze am Stück es je könnten. Der Auswärtsauftritt der Volleys Marburg-Biedenkopf bei der HTG Bad Homburg war ein solches Spiel: eines, das sich bis in die Satzverlängerungen zog, mehrfach zu kippen drohte und am Ende doch mit 3:1 für die Gäste aus dem Lahntal endete. Nach drei Spieltagen in der Regionalliga Südwest darf man festhalten, dass dieser Saisonstart – trotz einer durch Krankheitsfälle empfindlich ausgedünnten Spielerinnendecke – ordentlich gelungen ist.

Improvisation gehörte an diesem Abend zum Pflichtprogramm. Zuspielerin Renate Kern musste einspringen für die schulisch verhinderte Stammkraft Marie Manthei, und weil kurzfristig auch noch Libera Isabell Krawatt erkrankte, sahen sich die Volleys gleich zweifach zur Improvisation gezwungen. Besondere Problemlagen erfordern bekanntlich besondere Lösungen, und so schickte Trainer Volkmar Hauf die Mittelblockerin Amelie Reisz mit Annahmeaufgaben aufs Feld – auf eine Libera wurde gänzlich verzichtet. Die Rechnung ging zunächst auf: Die Annahme stand von der ersten Minute an nahezu fehlerfrei. Nur wollte aus dieser soliden Basis lange kein Angriffsschwung erwachsen. Außer der treffsicheren Amelie Grünefeld fanden die Volleys nicht in ihren Rhythmus, während Bad Homburg sich Stück für Stück absetzte und den ersten Satz mit 25:20 für sich beanspruchte.

Den Schwung nahmen die Gastgeberinnen mit hinüber in den zweiten Durchgang und zogen bis auf 13:7 davon – ein Vorsprung, gegen den die Volleys lange keinen Hebel fanden, um die gute Annahme und Feldabwehr der Homburgerinnen zu knacken. Es brauchte die Einwechslung von Josefine Mentrup, um dem Spielaufbau neue Optionen zu verleihen und dem gegnerischen Block Löcher zu schlagen. Lucia Werner und Emma Bögel begannen zu punkten, zwei direkte Aufschlagpunkte von Tessa Moog wirkten wie Fanfaren zur Aufholjagd. Punkt für Punkt kämpften sich die Volleys heran, glichen beim 19:19 aus, zogen vorbei – und sicherten sich den Satz mit 25:23.

Von nun an hatten die Volleys Oberwasser, und die gerade einmal 16 Jahre alte Außenangreiferin Tessa Moog begann, sich in einen Rausch zu spielen: zehn Punkte allein in diesem Satz. Schnell stand es 17:10 für die Marburg-Biedenkopfer Spielgemeinschaft, ehe die Gastgeberinnen sich noch einmal heranarbeiteten und der Satz in die Verlängerung ging – die die Volleys mit bemerkenswerter Nervenstärke mit 28:26 für sich entschieden.

Nur ein Satz fehlte nun noch zum Auswärtssieg, doch dieser vierte Durchgang sollte den Zuschauern alles abverlangen, was der Sport an Dramatik zu bieten hat. Zunächst dominierten die Volleys und hielten Bad Homburg bis zum 16:12 auf Distanz. Das reichte nicht, die Homburgerinnen zogen in der Crunchtime sogar vorbei und erarbeiteten sich beim 24:22 den ersten Satzball. Die Volleys blieben dran, schoben sich zum 25:24 erneut nach vorn und erzwangen den ersten Matchball – doch die Partie hatte noch nicht genug. Die Vorteile wogten hin und her wie in einem Endspiel um mehr als nur drei Punkte: Lucia Werner schmetterte beim 28:28 zum Ausgleich, ehe Josefine Mentrup einen Schnellangriff der Bad Homburgerinnen spektakulär zum dritten Matchball blockte. Es war schließlich erneut Lucia Werner, die mit einem weiteren Block den 30:28-Endstand besiegelte und damit ihre starke Leistung krönte.

Die MVP Krone des Abends aber trug Tessa Moog: Mit beeindruckenden 27 Punkten sicherte sich die Nachwuchsspielerin bereits zum zweiten Mal in dieser noch jungen Saison den Titel der wertvollsten Spielerin. 

Es spielten: Emma Bögel, Lucia Werner, Tessa Moog, Josefine Mentrup, Amelie Reisz, Amelie Grünefeld, Luca Muth, Renate Kern

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