16. Oktober 2026. Fast hundert Minuten brauchten die Volleys Marburg-Biedenkopf, um den SKV Mörfelden in heimischer Halle niederzuringen. Am Ende stand ein 3:0, das auf dem Papier nach einem Nachmittagsspaziergang aussieht und mit dem, was auf dem Feld geschah, so wenig zu tun hat wie ein Fahrplan mit einer Zugfahrt. Umkämpft war jeder Punkt, beide Teams ackerten in der Feldabwehr, als würde es dafür Prämien geben, und die Ballwechsel wurden mit einer Intensität geführt, die man in der Regionalliga nicht jeden Samstag erlebt.
Gewarnt waren die Volleys, und zwar doppelt. Im Pokal hatten sie gegen die Mörfeldenerinnen ein klares 0:3 kassiert, eine Erinnerung, die sich nicht von selbst erledigt. Dazu kam Dorothe Frühwirt, vom Drittligisten Auerbach nach Mörfelden gewechselt und den Marburgern keine Fremde: Zu Wetteraner Volleyballzeiten hat sie unter dem Trainergespann Hauf/Autzen trainiert und gespielt. Vor ihren Annahme- und Angriffsqualitäten hatte das junge VMB-Team gehörig Respekt, und es hatte ihn zu Recht, denn so richtig in den Griff bekam sie niemand.
Dass es trotzdem zu drei Satzgewinnen reichte (25:20, 25:23, 25:22), lag an zwei Dingen: am unbändigen Abwehrwillen der Volleys und an der Qualität ihrer ersten Ballkontakte. Disziplinierte Aufschläge, von allen Spielerinnen mit Härte und wenig Fehlern serviert, nahmen den Gästen den Angriffsaufbau schon zu Beginn des Ballwechsels aus der Hand. Den Rest erledigte meist die Feldabwehr um Libera Isabell Krawatt, aufmerksam, entschlossen und mutig. Weil die Marburgerinnen aus der Abwehr heraus sauber aufbauten, kamen sie zu deutlich mehr Punktchancen als die Gegnerinnen, denen aus der Feldabwehr weniger gute Angriffe gelangen. Am Ende langer Ballrallys holten sich die Volleys den Punkt, und die zahlreichen Zuschauer dankten es mit reichlich Beifall.
Entscheidend war dabei die stabile Annahme, die nur drei direkte Aufschlagpunkte zuließ. Das hat auch mit Marie Manthei zu tun, der extrem schnellen Zuspielerin, die jeden Ball in der Halle erläuft und spielbar hält. Amelie Reisz, Tessa Moog und Isabell Krawatt, in der Annahme müssen deshalb bei scharfen Aufschlägen nicht unter Präzisionsdruck leiden. Luft nach oben bleibt dennoch: Saß die Annahme genauer, konnte Manthei schneller zuspielen und die Mittelangreiferinnen Amelie Grünefeld und Luca Muth direkt in Szene setzen und zu schnelleren Punkterfolgen kommen . So blieb den Außenangreiferinnen oft nur der Weg durch den gegnerischen Doppelblock. Am besten fand ihn Tessa Moog mit 21 Angriffspunkten, die mit 16 Jahren auch aus dem Rückraum erfolgreich angriff. Emma Bögel steuerte sieben Punkte bei.
Zur wertvollsten Spielerin wählte ausgerechnet der Gegner, der SKV Mörfelden, die VMB-Libera Isabell Krawatt. Ihre Abwehrarbeit ließ die Mörfeldener Angreiferinnen immer wieder ratlos zurück, und ihre Feldzuspiele bereiteten viele Angriffe der Volleys vor. Man sieht dem Team außerdem an, was die vielen Turnierspiele in der U18 und U20 bewirkt haben: Die Jugendspielerinnen verstehen sich nahezu blind, und davon profitiert die gesamte Mannschaft.
Mit dem 3:0-Sieg gelang den Volleys die Pokalrevanche, und sie behaupten den zweiten Tabellenplatz der Regionalliga. Der Grundstein für einen frühen Klassenerhalt ist gelegt. Was darüber hinaus möglich ist, wird man den jungen wilden Volleys nach diesem Nachmittag nicht absprechen wollen.
Es spielten: Emma Bögel, Lucia Werner, Tessa Moog, Josefine Mentrup, Amelie Reisz, Amelie Grünefeld, Luca Muth, Marie Manthei, Julia Dettbarn, Luca Muth, Franziska Lenaerts, Lea Braun, Isabell Krawatt