Junges Team mit großem Kämpferherz: Volleys Marburg-Biedenkopf begeistern bei der U20-DM

LOHNE. Das U20-Team der Volleys Marburg-Biedenkopf hat bei den Deutschen Meisterschaften in Lohne einen bleibenden Eindruck hinterlassen und sich weit über die regionalen Grenzen hinaus Anerkennung und Respekt erspielt. Als jüngste Mannschaft im hochkarätigen Feld der 16 besten deutschen Teams zeigte die Auswahl eine Leistung, die Trainer Volkmar Hauf sichtlich mit Stolz erfüllte, auch wenn der 12. Platz dies nicht richtig zum Ausdruck bringt. In insgesamt sechs Partien erzwangen die Volleys stolze drei Mal den entscheidenden Tie-Break und brachten dabei selbst Teams, die mit erfahrenen Bundesliga-Spielerinnen gespickt waren, mächtig ins Schwitzen.

Bereits in der Vorrunde bekamen die Favoriten die Entschlossenheit der Volleys zu spüren. Im Auftaktspiel gegen den Zweitliga-Nachwuchs des RC Sorpesee schockten die Marburg-Biedenkopferinnen den Gegner mit druckvollen Aufschlägen und einer kompromisslosen Feldabwehr, die keinen Ball verloren gab, was prompt im Gewinn des ersten Satzes mündete. Zwar konnte das Niveau nicht über die gesamte Distanz gehalten werden, sodass man die Tie-Break-Chance am Ende mit 9:15 abgeben musste, doch das Signal an die Konkurrenz war gesetzt. Nach einer schweren Partie gegen den späteren Vizemeister SC Potsdam, der mit seinem kompletten Zweitliga-Kader antrat, bewiesen die Volleys Moral: Trotz der deutlichen Niederlage verloren sie nie ihren Mut oder die Spielfreude. Belohnt wurde dies im letzten Gruppenspiel, in dem Eiche Horn Bremen mit 2:0 überrollt wurde, was den Volleys als Gruppendritter den weiteren Turnierverlauf offen hielt.

In der Zwischenrunde kam es zum spannungsgeladenen Aufeinandertreffen mit der Erstliga-Reserve des RSV Borken. Nachdem die Volleys im ersten Satz dem massiven Angriffsdruck der Bundesliga-Spielerin Marika Loker noch fast schutzlos ausgeliefert waren und förmlich zerschmettert wurden, wendete sich das Blatt im zweiten Durchgang. Das Team besann sich auf seine bekannte Abwehrstärke und las das Spiel des Gegners immer besser. Angeführt von Libera Isabel Krawat, die quasi jeden Ball verteidigte, entwickelte sich ein hochdramatischer Schlagabtausch. Mehrfach wollte Borken bereits den vermeintlich sicheren Punkt bejubeln, nur um festzustellen, dass doch noch eine Hand der Volleys zwischen Ball und Boden war und der Gegenangriff bereits rollte. Trotz eigener Satzbälle in einem Krimi, der die Zuschauer begeisterte, mussten sich die Volleys am Ende hauchdünn mit 30:32 geschlagen geben.

Damit war das Viertelfinale zwar knapp verpasst, doch auch im Kampf um die Platzierungen blieben die Gegner hochkarätig. Am zweiten Turniertag traf man auf die Volleyballakademie Stuttgart. Gegen das Team vom Bundesstützpunkt agierten die Volleys zwar mit Respekt, aber nicht ohne Furcht. Die Mittelblockerinnen Luca Muth und Lucia Werner hatten sich hervorragend an das enorme Zuspieltempo der nationalen Elite gewöhnt und schafften es immer häufiger, den Doppelblock zu schließen, was die Feldabwehrarbeit dramatisch unterstützte. Belohnt wurde dieser Einsatz mit dem Gewinn des ersten Satzes gegen die favorisierten Stuttgarterinnen. Auch wenn Stuttgart am Ende den Druck im Tie-Break aufrechterhielt und knapp mit 2:1 siegte, verließen die Volleys das Feld mit erhobenem Haupt.

Wer glaubte, dass der Widerstandswille der Volleys nun erloschen war und alle Körner aufgebraucht sind, wurde im letzten Spiel – wieder gegen den RC Sorpesee – eines Besseren belehrt. Die bedingungslose Einsatzbereitschaft der Volleys wird ihren Gegnerinnen noch lange im Gedächtnis bleiben. Zwar wurde der erste Satz verloren, doch mit der zweiten Luft legten die Volleys richtig los: Marie Manthei verwertete alles, was die Annahme und Feldabwehr in der Halle halten konnte. Tessa Moog und Melinda Reinke trugen am Ende wie im ganzen Turnier die zentrale Angriffslast und wurden nicht müde, gegen die gegnerischen Bollwerke anzulaufen. Die langen intensiven Ballwechsel rissen die Zuschauer vor Spannung von den Sitzen. Coach Hauf musste zunehmend die Auszeiten nehmen, um sein Team wieder Luft holen zu lassen. Libera und Mannschaftsführerin Helin Tokcan stand wie ein Fels in der Brandung, während Diagonalspielerin Ida Wilke genau zur richtigen Zeit ihre ganze Angriffswucht auspackte und die Ballwechsel mit direkten Punkterfolgen verkürzte. Dazu kam die eingewechselte und noch frische Julia Dettbarn, die mit starken Aufschlägen direkt punkten konnte und sich nahtlos in die überragende Feldabwehrleistung einreihte.

Nach dem verdienten Satzausgleich wurde der dritte Tie-Break im letzten Turnierspiel noch einmal zum Spiegelbild des gesamten Turniers. Bis zur totalen Erschöpfung kämpfend und in einem mitreißenden Hurrastil auftretend, fehlte am Ende lediglich das Quäntchen Glück (15:17), doch die Volleys gewannen die Herzen der Zuschauer. 

Viel Zeit zum Ausruhen bleibt den Spielerinnen jedoch nicht: Bereits am kommenden Wochenende stehen die meisten Volleys wieder am Netz. Dann messen sie sich in der U18 bei den Deutschen Meisterschaften in Paderborn erneut mit den besten Klubs ihrer Altersklasse. Die Vorfreude auf das nächste nationale Kräftemessen ist nach der starken Vorstellung in Lohne riesengroß.          

  1. Dresdner SC
  2. SC Potsdam
  3. VC Wiesbaden
  4. RSV Borken
  5. Schweriner SC
  6. Blau Weiß Lohne
  7. VG WiWa Hamburg     
  8. SWE Volley-Team
  9. NawaRo Straubing
  10. Volleyball Akademie Stuttgart
  11. RC Sorpesee
  12. SG Volleys Marburg-Biedenkopf
  13. Rote Raben Vilsbiburg
  14. FT 1844 Freiburg
  15. SV Energie Cottbus
  16. TV Eiche Horn Bremen

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