Volleys Marburg-Biedenkopf stürmen in die deutschen Top-Ten

Mit einem starken 10. Platz bei den Deutschen U18 Meisterschaften in Paderborn schreiben die Volleys Marburg-Biedenkopf für die Spielgemeinschaft Vereinsgeschichte. Unter den besten 16 Nachwuchsteams der Nation gehören die Mittelhessinnen nun offiziell zur deutschen Volleyball-Elite – eine Auszeichnung, die die Nachwuchsarbeit beim TV Biedenkopf und VFL Marburg krönt und am Ende einer Hallensaison kaum zu übertreffen ist.

Bereits beim Einlauf der Teams vor vollen Zuschauerrängen und spätestens zu den Klängen der Nationalhymne bei der Eröffnungsfeier durchlief alle Spielerinnen eine Gänsehaut – das Bewusstsein, etwas Besonderes erreicht zu haben, um überhaupt an einer DM teilzunehmen, war mit Händen zu greifen. Mit einem Blick auf die körperlich deutlich überlegene Konkurrenz war allerdings auch allen klar, dass das Gewinnen bei einer DM kein Selbstläufer werden würde.

Im ersten Gruppenspiel gegen TV Rottenburg bekamen die Volleys die Lufthoheit ihrer Gegnerinnen sofort zu spüren. Es dauerte eine Weile, bis die Feldabwehr, angeführt von Libera Emilia Adam, sich an die Winkel gewöhnt hatte, die ihre Gegnerinnen schlagen konnten – doch dann spielten die Volleys munter auf und hielten das Spiel lange offen. Die 0:2-Niederlage (21:25, 21:25) gegen die späteren DM-Dritten war am Ende nicht mehr abzuwenden, tat dem Kampfgeist der Volleys aber keinen Abbruch.

Nun waren die Mittelhessinnen im Kampfmodus – und die Volleys Dessau sollten das schmerzhaft zu spüren bekommen. Im ersten Satz kontrollierten die Gegnerinnen noch das Spielgeschehen, angeführt von ihrer 1,91 Meter großen Außenangreiferin und Nationalspielerin Sophia Thust, die bereits beim Einschlagen den Drei-Meter-Raum unsicher machte. Nach dem 14:25-Satzverlust zeigten die Volleys von der Lahn jedoch ihre wahre Stärke: die Fähigkeit, ein Spiel zu lesen und sich neu einzustellen. Zuspielerin Marie Manthei, die Kleinste im Team, stemmte sich im Block mutig gegen Dessaus Nationalspielerin, bremste deren Angriffe ab und hielt den Ball für die starke Feldabwehr spielbar. Im Gegenangriff setzten sich Tessa Moog und Melinda Reinke dann souverän durch. Dessau schien völlig entnervt von diesem erfolgreichen Widerstand und gab sowohl den zweiten Satz als auch den Tie-Break mit 11 Punkten ab. Die Volleys Marburg-Biedenkopf waren zurück auf Kurs.

Im letzten Gruppenspiel gegen Nordmeister SV Bad Laer lieferten sich zwei ebenbürtige Teams auf Augenhöhe einen intensiven Schlagabtausch. Beide Mannschaften kommen über Aufschlag, Annahme und Feldabwehr ins Spiel und haben keine übergroße Angriffsspielerinnen – ein Duell der taktischen Finesse. Zuspielerin Marie Manthei setzte die Mittelblockerinnen Luca Muth und Julia Dettbarn gezielt und variabler im Angriff ein, um die Feldabwehr Bad Laers unter Druck zu setzen. Am Ende jubelten die Volleys über einen verdienten 2:1-Sieg mit 15:13 im Tie-Break – und hatten die Zwischenrunde erreicht.

Im alles entscheidenden Spiel des ersten DM-Tages boten die Volleys gegen SV Karlsruhe Beiertheim eine nervenstarke Vorstellung und hatten den Einzug ins Viertelfinale zeitweise zum Greifen nah. Im ersten Satz zogen die Volleys in der Crunchtime noch einmal mit 28:26 an Karlsruhe vorbei und gingen mit 1:0 in Führung. Im zweiten Satz drehten die Gegnerinnen ihrerseits am Satzende das Spiel mit 25:23 zu ihren Gunsten. Und wieder musste die Entscheidung im Tie-Break fallen. Die Volleys kämpften bedingungslos um jeden Ball und rannten gegen ein extrem kompakt und ruhig agierendes Karlsruher Team an. Letztendlich waren es nur wenige Eigenfehler zu viele im Angriff und Aufschlag auf Seiten der Volleys, die zur 9:15-Niederlage führten und den Traum vom Viertelfinale platzen ließen.

Die Enttäuschung hielt nicht lange an. Beim Abendessen im Quartier stellte sich bereits Stolz für das Geleistete ein – und der neue Schlachtplan für den zweiten Tag wurde geschmiedet. Denn für einen Top-Ten-Platz mussten die Meisterinnen Nordrhein-Westfalens, der VV Human Essen, geschlagen werden.

Die Ermüdung des ersten Tages aus den Beinen zu schütteln gelang den Essenerinnen zu Beginn ein wenig besser. Obwohl Elea Hofmann auf der Mittelblockposition, Doppelwechsel für Zuspiel und Diagonalangriff mit Maila Moog und Elisa Alessandrini sowie der Libera-Einsatz von Emily Michel, etwas Frische ins Spiel der Volleys brachten, ging der erste Satz mit 19:25 verloren. Dann aber fand Ida Wilke auf der Diagonalposition immer besser ins Spiel und sammelte wertvolle Angriffspunkte zum 25:22-Satzausgleich. Mittlerweile Tie-Break-gestählt stellten die Volleys sich mit Adrenalin und Leidenschaft dem Entscheidungssatz – und diesmal behielten sie die Nerven in einem Schlagabtausch, der keinen Zuschauer auf den Sitzen ließ. Es war Melinda Reinke, die an diesem Tag auch noch ihren 17. Geburtstag feierte, die sich mit zwei starken Aufschlägen zum 17:15-Sieg das größte Geschenk selbst machte und die gesamte Volleys-Mannschaft zum Jubeln brachte.

Im letzten Spiel der DM um Platz 9 warteten die hessischen Dauerrivalinnen vom VC Wiesbaden. Außenangreiferin Charlotte Lenz und Zuspielerin Maila Moog kamen verstärkt zum Einsatz und fügten sich nahtlos in eine erneut starke Teamleistung ein. Auch Wiesbaden drohte am Abwehrbollwerk der Volleys zu scheitern. Doch nach einem hart erkämpften 25:27-Satzverlust reichten die Körner der Volleys nicht mehr für einen weiteren Tie-Break. Am Ende lagen sich beide Teams in den Armen – vereint in dem Stolz, eine unvergessliche Deutsche Meisterschaft erlebt zu haben, die noch lange in Erinnerung bleiben wird.

1.    VC Dresden 
2.    SC Potsdam
3.    TSV München/TV Rottenburg
5.    Desau Volleys
6.    SV Karsruhe Beiertlein 
7.    Schwerin SC
8.    RSV Borken
9.    VC Wiesbaden 
10.    Volleys Marburg-Biedenkopf  
11.   SW Erfurt Volleys
12.   VV Human Essen  
13.   VoR Paderborn
14.   TV Altdorf
15.    SV Bad Laer
16.   VT Hamburg

Es spielten:  Tessa Moog, Marie Manthei, Melinda Reinke, Elea Hofmann, Emila Adam, Julia Dettbarn, Ida Wilke, Emily Michel, Charlotte Lenz, Elisa Alessandrini, Julia Hedoch, Maila Moog, Luca Muth

Fotos: Tom Uhlig (instagram: tomuhligphotos) und Marcel Reinke und Helmut Keiling (instagram: helmut.keiling)

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